Herzlich Willkommen!

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Zukunft. Immer zum ersten Tag eines Monats hinterfragen wir hier Entwicklungen, Ideen, Visionen oder auch ganz pragmatische Ansätze zu einer lebenswerten Zukunft. Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!



Freitag, 1. Mai 2026

Tür-Gespräche

Wenn es an unserer Haustüre klingelt, könnten es die Paketpost, die Nachbarin, Besuch oder Klingelmannchen sein. Ein Bericht in der tagesschau machte uns auf eine weitere Möglichkeit aufmerksam. In den Niederlanden, in Kanada und den USA spielen ausgebildete Volunteers Klingelmännchen, nur rennen sie nicht weg, sondern hoffen darauf, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. "Deep Canvassing" nennt sich diese Gesprächsform zum Brückenbau zwischen unterschiedlichen Menschen und Meinungen. 

Stellen Sie sich vor, es klingelt und an der Haustüre stehen zwei Ihnen unbekannte Personen, die Sie fragen: "Guten Tag, wir wollen uns gerne mit Ihnen über Ihre Erfahrungen zum Thema verkehrberuhigte Straßen unterhalten.  Auf einer Skala von 1 bis 10 -  wie sicher fühlen Sie sich, wenn Sie zu Fuß in einer verkehrberuhigten Straße unterwegs sind?" So könnte ein deep canvassing beginnen.

Um was geht's` dabei? Die Idee ist, dass man sich mit Empathie und gutes Zuhören über strittige Themen unterhalten kann. Ein Erfolgsfaktor ist darauf zu verzichten, die andere Person überzeugen zu wollen: Es geht um Erfahrungen und Erlebnisse, um Verstehen und Begegnung.

Wir fanden in Kanada die Organisation "Neighbours united", die das Konzept nutzt, um über dringende Klimafragen zu sprechen. Dieser Dialog soll eine gemeinsame verbindende Basis legen, er soll sensibilisieren für die unterschiedlichen Erfahrungen und Interessen und ein Impuls sein, für sich selbst einen eigenen Beitrag zur Klimaverbesserung zu finden.

Sie merken beim Lesen vielleicht, dass der Dialog sehr offen gestaltet ist. Nur das, was wir in den USA fanden, wirkte geschlossener: Es waren u.a. die Wahlen 2020, die anschließend Forschungsaktivitäten dazu anstießen und deutlich machten, dass einer von Dreien nach einem deep canvasing Gespräch von der Meinung des Klingenden überzeugter war. 

Unser Herz schlägt für das niederländische und kanadische Vorgehen. Wie geht es Ihnen, liebe Lesende? 

Mittwoch, 1. April 2026

Sonntag, 1. März 2026

Schlapp mit Vorfreude

Wir sind winterschlapp, haben nach Sonne gesucht und Erich Kästner gefunden:

Erich Kästner: Der März

auch als Audio-Variante, gelesen von Elmar Bartel

Sonne lag krank im Bett.
Sitzt nun am Ofen.
Liest, was gewesen ist.
Liest Katastrophen.

Springflut und Havarie,
Sturm und Lawinen, -
gibt es denn niemals Ruh
drunten bei ihnen.

Schaut den Kalender an.
Steht drauf: "Es werde!"
Greift nach dem Opernglas.
Blickt auf die Erde.

Schnee vom vergangenen Jahr
blieb nicht der gleiche.
Liegt wie ein Bettbezug
klein auf der Bleiche.

Winter macht Inventur.
Will sich verändern.
Schrieb auf ein Angebot
aus andern Ländern.

Mustert im Fortgehn noch
Weiden und Erlen.
Kätzchen blühn silbergrau.
Schimmern wie Perlen.

In Baum und Krume regt
sich's allenthalben.
Radio meldet schon
Störche und Schwalben.

Schneeglöckchen ahnen nun,
was sie bedeuten.
Wenn Du die Augen schließt,
hörst Du sie läuten.

Vielleicht drückt sich Vorfreude auch in Musik aus - und dann ist sie steigerbar, oder ... welche Strategien haben Sie, liebe Lesende, um den Winterblues hinter sich zu lassen und Platz für die Frühlingsgefühle zu schaffen? 

Sonntag, 1. Februar 2026

ganz ehrlich - machen SMARTE Ziele Spaß?

Wie geht es Ihnen mit Ihren guten Vorsätzen, Impulsen für das neue Jahr - jetzt, vier Wochen nach Silvester? Uns fiel dieser Tag ein (weiteres) Konzept in die Hände, das für unscharfe statt SMARTe Ziele in der menschlichen Gemeinschaft und damit auch u. a. in der Moderation plädiert. 

Jutta Weimar (eine Großgruppenmoderatorin) verweist in ihrem Mini-Handbuch Moderation (Seite 61) auf Gray, Brown und Macanufo (2011), die von ESP-Zielen sprechen:

  • Unscharfe Ziele fördern die emotionale Verbindung zu ihnen, sie wecken Leidenschaft. 
  • Je besser das Ziel mit allen Sinnen = sensorisch erfasst und greifbar werden kann, desto leichter können Ideen z. B. durch Skizzen, Prototypen, Collagen konkretisiert werden. 
  • Lebensnah wird das ESP-Konzept durch das P - Progression; es bedeuet, dass Ziele nie in Stein gemeißelt sondern veränderbar sind, weil ein Team dazulernt und neue Erkenntnisse gewinnt, die Einfluss auf die eingeschlagene Richtung und die Zielformulierung nehmen.

Steve de Shazer, einer der Entwickler der Lösungsfokussierung, sprach gar nicht von "Zielen" sondern hinterfragte, was seine Klienten "anpeilen": "Woran merken Sie, dass es in die richtige Richtung geht?" oder "Woran merken sie, dass Sie erreicht haben, was Sie möchten?" (zitiert in "Einführung in die Lösungsfokussierung ..." von Insa Sparrer, 4. Auflage 2017, Carl Auer Verlag)

Anstatt sich ein weit entferntes, großes Ziel vorzunehmen, ist es aus unserer Erfahrung für Gruppen leichter, sich auf den ersten Schritt zu einigen, vielleicht mit der Frage "Welche kleine Maßnahme verbessert unsere Situation?" oder "Welche eine kleine Veränderung könnte der Dominostein sein, der viele andere in Bewegung bringt?" 

Wir nutzen gerne die Energie eines offenen Raums, in dem sich Ideen und ihre Konkretisierungen formen können, ohne dass (sofort) quantifizierbare Ergebnisse formuliert werden. Z. B. die Aufgabe, sich gegenseitig Zukunftsbilder mittels Collagen vorzustellen, macht den Teilnehmenden unsere Workshops viel Spass.

Schon 2010 schrieben wir über Otto Sharmer und seine "Theory U". In U-Form wird ein Veränderungsprozess in 7 Phasen beschrieben und eine davon ist der "Prototypen-Bau", der verbunden wird mit dem Appell, möglichst oft zu scheitern und neu zu bauen - um so immer mehr lernen zu können.

Auch im Gesangsunterricht und der Stimmbildung würden SMARTe Ziele die Stimmentfaltung eher verhindern. Der/die Gesangslerher:in weiß, wohin die Reise geht und arbeitet gegenüber dem/der Schüler:in eher in der Unschärfe, um nicht zu viel vorweg zu nehmen. Es kommt in jeder Session darauf an zu akzeptieren, wie die Stimme jetzt in dem Moment ist und in welche Richtung sie sich verändern könnte. Ein SMARTes Ziel würde Erwartungen erzeugen: So MUSS das jetzt sein! Das schränkt die Wahrnehmung ein, alle andern Ressourcen und Potenziale nimmt man nicht mehr wahr. Unschärfe dagegen macht den Weg für eine Entwicklung frei. 

Ob in der Gruppe oder alleine: Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen mit unscharfen Zielen!

Donnerstag, 1. Januar 2026

Zuversichtlich ins neue Jahr

Es gibt sooooo viele schöne Möglichkeiten, das neue Jahr zu begrüßen.

Aus dem mental-fitness-Umfeld fiel uns ein booklet in die Hände mit viel Platz zum schriftlichen Reflektieren, was im alten Jahr war und was im neuen Jahr sein könnte.

In München arbeitet und lebt Insa Sparra, eine namhafte Expertin für Lösungsfokussierung. Von ihr hörten wir das schöne Zitat: "Je mehr kleine Schritte und viele Details man sich vorher überlegt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die guten Vorsätze Umsetzung erfahren.... Stell Dir selber die Frage: Woran konkret würdest Du merken, dass Du Deinen guten Vorsätzen näher kommst?"

Dr. Volker Busch gab gerade das Buch "Gute Nacht, Gehirn" heraus. Das erste Kapitel behandelt die Fantasie - und das passt gut zu den Zitat von Insa: Nutze Deine Fantasie, um Dir vorzustellen, dass Du Deine Vorsätze einfach machst - und damit machst Du es Dir einfacher. Es darf alles ganz leicht sein! Volker Busch geht übrigens mit seinem Programm "Zuversicht" 2026 auf Deutschlandtour

Mit unseren besten Wünschen für Ihr neues Jahr verabschieden wir uns von 2025 und freuen uns auf viele interessante Themen im neuen Jahr.


Lebensspiralen, Basalt, Eifelkreuz in den Thürer Wiesen
Foto von Susanne V. 

 

Montag, 1. Dezember 2025

Die Kraft der Netzwerke

Susanne: Letzte Woche hatte ich das 33. Treffen meines Netzwerkes, in dem es darum geht, gemeinsam weiter zu lernen. Wir haben alle eine Weiterbildung an einem Institut genossen und tauschen uns seit 2013 über unsere Erfahrungen aus, wie wir alles in unserer Praxis umsetzen.

Susanne: Bravo, das ist wirklich nachhaltig lange!

Susanne: Genau! Und wir sind besonders stolz darauf, dass wir in einem Klima der Vertrautheit und Wertschätzung miteinander arbeiten können, selbst wenn sich die Gruppen jedes Mal neu zusammensetzen. Dabei sind Teilnehmende, die ihren ersten Kontakt zum Institut 2005 hatten; und beim letzten Mal kamen Teilnehmende von 2021 dazu.

Susanne: Euch verbindet wirklich viel. Das geht mir in meinem positive intelligence Netzwerk genauso. Mit einigen treffe ich mich seit 2021 regelmäßig, auch wenn manche wieder auf Abstand zu der Fortbildung gegangen sind. Wir sprechen die selbe Sprache und regen uns gegenseitig an.

Susanne: Das mit der Sprache unterstreiche ich, und ich glaube, dass es die Haltung ist, die wir teilen.

Susanne: Zustimmung - das gibt mir auch immer wieder Kraft. Oft denke ich vor einem Termin "muss das jetzt sein?! Ich habe doch so viel anderes zu tun." Und hinterher bin ich froh und dankbar über die lebendige Inspiration. 

Susanne: Der Kitt, der uns zusammen hält, ist der Sinn, den wir alle in unserem Netzwerken sehen, das kann auch für jede und jeden ein anderer Sinn sein. "Im Geben liegt schon das Nehmen" sagte Elisabeth Ferrari, die Initiatorin meines Netzwerks. 

Susanne: Da höre ich raus, dass ich etwas erhalte, wenn ich etwas gebe - vielleicht Feedback? Vielleicht eine neue Idee? Vielleicht eine explorative (erforschende) Erfahrung, in der man Fehler machen darf? Wenn ich mir dessen bewusst bin, bin ich entspannter und habe nicht den Druck "abzurechnen".

Susanne: Da kommt mir noch ein anderes Zitat in den Kopf: "Der Sinn des Lebens besteht darin, deine Gabe zu finden. Der Zweck des Lebens ist, sie zu verschenken." (Pablo Picasso)

Bald stehen wir wieder vor der Frage, ob und was wir verschenken wollen; und wir werden wieder vor der Entscheidung stehen, wie wir Weihnachten feiern. Vielleicht im Netz unserer Familie? Oder unserer nahen Freunde? Wir wüschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine wunderbare Weihnachtszeit.

Samstag, 1. November 2025

Besondere Orte für das Leben

Die eine stolperte im Sommerurlaub in ein sehr besonderes Haus. Der Großvater von Thomas Mann baute es, um sein florierendes Handelsunternehmen am Kai von Lübeck zu repräsentieren und wachsen zu lassen. Und heute? Vor ca. 10 Jahren erwarb es eine Stiftung und kernsanierte es liebevollst - hier passt tatsächlich der Superlativ. Es hat seinen Namen "die Eiche" behalten und ist heute ein Kolumbarium (Urnenfriedhof). An diesem außergewöhnlichen Erinnerungsort finden auch kulturelle Veranstaltungen, Lesungen und Konzerte statt. Der Verein hat einen Raum für eine neue Abschiedskultur gestaltet, den man auf einem virutellen Tour sehen kann. Schade, dass wir beide weit weg von Lübeck wohnen. 

Auch Kassel liegt von uns aus gesehen nicht gerade um die Ecke. Dort besuchte die andere, auch im Sommer, ein einzigartiges Museum: das Museum für Sepulkralkultur. Dieses sperrige Wort ist der Fachbegriff für Bestattungskultur. Erwachsene und vor allem Kinder können sich mit dem Themen Tod, Sterben und Erinnern auf eine inspirierende und kreative Weise befassen. Das Museum weckt anstatt Angst eine große Neugier. Da unsere Gesellschaft das Thema Tod unserer Beobachtung nach immer mehr an den Rand spült, kann ein Museum für Sepulkralkultur (wir üben das Wort nochmal) wohltuend wirken.

Das Museum ist die einzige unabhängige, ausschließlich kulturellen und wissenschaftlichen Maßstäben verpflichtete Institution, die sich mit dem gesamten Spektrum der sogenannten Letzten Dinge befasst. Es trägt maßgeblich dazu bei, die besondere Wertigkeit, Einmaligkeit und Würde unseres menschlichen Daseins zu erkennen. Nur für den Fall, dass Sie für Ihre Weihnachtsspende noch einen interessanten Empfänger suchen, könnten Sie sich die Crowdfunding-Aktion für des Museums ansehen.

Während wir beide diesen Post schreiben, finden wir auf den Seiten des NDR ein Zitat von Bjarne Mädel: "Der Tod betrifft uns ja nunmal alle - irgendwann. Insofern ist es merkwürdig, dass er nicht viel mehr im Leben stattfindet." Er sagte dies im Rahmen einer Lesung von Texten aus dem Hospiz, die wie die "letzten Lieder" im gleichnamigen Projekt von Stefan Weiller gesammelt worden sind. Vielleicht mögen Sie reinhören?

Und dem, der einen Besuch in Lübeck oder Kassel plant, legen wir diese beiden besondere Orte ans Herz. Lassen Sie sich hineinstolpern.