Herzlich Willkommen!

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Zukunft. Immer zum ersten Tag eines Monats hinterfragen wir hier Entwicklungen, Ideen, Visionen oder auch ganz pragmatische Ansätze zu einer lebenswerten Zukunft. Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!



Sonntag, 1. September 2019

Viel.falt auf.falten

Kennen Sie schon die Charta der Vielfältigkeit, liebe Leser?
Es gibt sie schon länger - und wir wurden die Tage wieder darauf aufmerksam (gemacht).

Auf dieser Seite finden Sie u.a. den Fragebogen, den die Bundesagentur für Arbeit Führungskräften zur Vorbereitung ihres nächsten Mitarbeitergesprächs anbietet: Er dient dazu, sich die eigenen Schubladen bewußter zu machen, um nicht in Gesprächsfallen zu tappen.

Im März 2019 war die Abschlußveranstaltung zur Diversitiy-Challenge, an der sich 600 junge Beschäftigte zwischen 16 und 27 Jahren aus 78 Organisationen beteiligten. Das verlinkte Video sprüht vor Energie und zumindest eine von uns findet schade, schon über 50 zu sein ;-)

Wie ist das in Ihrer Organisation? Wird dort Vielfalt be- und gelebt?
Wie geht es Ihnen angesichts von Vielfalt? Was an der Vielfalt Sorgen aus und was begrüßen Sie? Viel Spaß beim Nachdenken!

Donnerstag, 1. August 2019

Nicht aufhören zu fragen!

Susanne: Ich lese gerade das Buch "Die Rache die Analogen" von David Sax. Er beschreibt, wie das Haptische, das Analoge wieder im Kommen ist. Ein umfangreiches Kapitel widmet er der Digitalisierung in der Schule und provoziert mit der Frage: Soll die Digitalisierung Lehrer überflüssig machen? Verbessert ein geschenktes iPad automatisch das Lernergebnis? Er äußert sich sehr kritisch darüber.

Susanne: Witzig, ich habe mir gerade letzte Woche mit einer Beraterkollegin die Frage gestellt:  inwieweit "müssen" wir analoge Formate anbieten, um die digital gehetzten Teilnehmenden in ruhige Lernprozesse zu führen? Wir erleben ja die Auswirkungen von permanenter Erreichbarkeit auch in unseren Workshops. Digitalisierung ist wirklich ein komplexes Thema.

Susanne: Auch Hochschulen und Bildungsorganisation entwickeln immer mehr digitale Angebote. Man will den Techniktrend nicht verschlafen und manche Ad-Ons sind ja wirklich eine Bereicherung. Aber wie kann man die Distanz überwinden, die das Lernen an Geräten erzeugt? Ich lerne auch, wenn ich mit anderen diskutiere und meine Gedanken in Worte bringe. Können digitale Ad-Ons das unmittelbare face-to-face Lernen ersetzen?

Susanne: Ich habe ja bereits 2008 den global classroom von Otto Sharmer erlebt - und davon profitiert, dass ich nicht zu ihm fahren musste sondern egal, wo ich gerade war, an seiner Vorlesung teilnehmen konnte. Mich hat zu Beginn der Vorlesung dann immer die Weltkarte beeindruckt, in der per Punkt eingezeichnet war, wo meine Mitstudierenden saßen. Und in Kleingruppen haben wir damals per Skype die Vorlesungseinheit vor- und nachbereitet. Einer meiner Kleingruppenkollegen ist heute ein guter Freund von mir: Irgendwann hatten wir beschlossen, uns persönlich treffen zu wollen - immer nur per Computer und Telefon hat uns nicht gereicht.

Susanne: Es gibt ja auch in Unternehmen immer mehr Webinare, die oft mit viel Aufwand hergestellt werden und anschaulich gemacht sind - und damit sind die Mitarbeiter auch nicht zu 100% zufrieden. Vielleicht werden die Mitarbeiter damit zu sehr alleine gelassen? Lernen ist ja auch eine soziale Aktivität.

Susanne: Wenn ich in einer face-to-face Lehrsituation bin, kann ich als Beraterin erste Anzeichen für Zweifel oder Sorgen wahrnehmen und die Lernenden durch behutsames Nachfragen anregen, sich zu äußern. Ganz grundsätzlich meine ich, dass auch Zweifel an der Digitalisierung formuliert werden sollen - damit sie besprechbar werden, zum Beispiel zu Beginn eines Trainings oder Workshops. Man könnte fragen: "Welche Erfahrung haben Sie schon mit digitalen Ad-Ons / mit Webinaren gemacht? Was ist Ihnen in einem digitalen Format wichtig?"

Susanne: Was ist denn wirklich wichtig? Es geht doch immer darum: Welche Ziele will ich erreichen? Und mit welchem Format geht das am besten? Warum also sollten wir in einem "entweder - oder" denken? Wenn man alles miteinander kombiniert, könnte man lebendigse, aktives Lernen unterstützen und auch das selbstbestimmte Lernen fördern.

Susanne: Du meinst, Lernende sollten aufgrund ihrer Fragen, Probleme und Bedarfe nach Antworten suchen können? Dann wäre es ja schlau, wenn sie ihre Antworten digital und analog finden können.

Susanne: Das sollte im Mittelpunkt stehen! Und vor allem, wie in diesem post, sollten wir nie damit aufhören, Fragen zu stellen.

Montag, 1. Juli 2019

Bilderbuch des Sommers

Wussten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass "alle Menschen der Welt nebeneinanderstehend eine Fläche von 62 km x 62 km  einnehmen"?

Kennen Sie die offiziellen und inoffiziellen Nationalbäume der Länder dieser Welt?

Wir hatten Spass dabei, im "Atlas: 100 Karten, die Deine Sicht auf die Welt verändern" zu blättern und die anschaulichen Visualisierungen zu genießen. Es gibt unzählige Einladungen, die Welt einfach mal wieder anders zu sehen.

Vielleicht haben Sie an einem schönen lauen Sommerabend auch Freude daran.

Samstag, 1. Juni 2019

Resilienz kann nicht schaden


Eine Susanne befasste sich für einen Workshop einmal mehr mit dem Thema "Resilienz". Wir haben uns vor allem für die Entstehung des Konzeptes begeistert. Forscher stellten nicht diese Fragen: Wie wirken sich schwere Schicksalsschläge aus? Was kann man tun, um Niederlagen zu verhindern? Wie unglücklich sind Menschen nach einem Unglück? Wer so fragt, sucht nach Krankheiten und Traumata.
Nein, zum Glück gab es auch Forscher mit einer ressourcenorientierten Sicht auf die persönliche Entwicklung. Sie fragten: Wie schaffen es Menschen, schweren Schicksalsschlägen stand zu halten?

Der Begriff Resilienz ist die Antwort auf diese Frage. Resilienz befähigt Menschen, Niederlagen, Unglücken und Schicksalsschlägen besser und schneller standzuhalten. Der Begriff selber ist aus der Physik geklaut: in der Materialfordung bezeichnet man hochelastische Werkstoffe als resilient, die nach jeder Verformung wieder ihre usprüngliche Form annehmen.

Resilienz steht auf diesen sieben Säulen:
  • Optimismus
  • Akzeptanz
  • Lösungsorientierung
  • Selbststeuerung
  • Übernahme von Verantwortung
  • Beziehungen gestalten
  • Zukunft gestalten
Sie, liebe Leser, die uns (schon länger) begleiten, wissen, dass uns diese sieben Begriffe und vor allem die dahinter stehenden Konzepte wichtig sind: jeder einzelne für sich - und alle sieben zusammengefaßt zur Erläuterung der Resilienz. Wir wünschen Ihnen und uns, immer genügend davon zur Verfügung zu haben!

Mittwoch, 1. Mai 2019

Frühlingswind durch & in unseren Methoden

Im April erreichte uns der Newsletter von Rudi Piwko zu mitreißenden Methoden und ist Anlass für diesen Post: Wir greifen seine zwei Downloads auf, weil sie den eigenen Methodenkoffer so wunderbar auffrischen können (bzw. man/frau sich wieder an das Eine oder Andere erinnert).

Verstehen wir uns als Gastgeber, wenn wir moderieren oder führen? Das "Handbuch der Zusammenarbeit" ist der erste Download. Er kommt aus dem Netzwerk "Art of hosting".

Über die Welt verteilt arbeiten Menschen mit dieser Metapher der Gastgeberschaft und wollen so Partizipations- und Kommunikationsstrukturen verbessern. Auf der o.g. Homepage kann man - wie im Download - wunderbar stöbern zu den partizipativen Verfahren: u.a. zum Kreisgespräch (Circle), World Café, Wertschätzender Befragung, Open Space Technology, Pro Action Café, Storytelling. Außerdem findet man dort wiederum einen Link zum "Art of hosting Channel", wenn man lieber Videos sehen als Text lesen mag.

Der zweite Download kommt vom Zentrum für angewandte Erlebnispädagogik und ist ein "Methodenhandbuch system- und lösungsorientierter Interventionen", das Andri Giersberger zusammengestellt hat. Hier findet man von systemischen Fragen über das 360 Grad Feedback bis zur PartsParty Methoden, die einen Perspektivenwechsel ermöglichen und so Handlungspielräume erweitern.

Zu vielen der genannten Methoden hat auch Matthias zur Bonsen geschrieben und Artikel dazu auf der all-in-one-spirit-Homepage hinterlegt. Vielleicht fehlt jemandem von Ihnen, liebe Leser, im bisher genannten noch etwas zur Dynamic Facilitation oder dem Organisationskompass.

Wir wünschen Ihnen erfolgreiche Dialoge in all den Zusammenhängen, in denen Sie kommunizieren und führen - frühlingsfrisch und voller Zuversicht.

Montag, 1. April 2019

Elisabeth im Doppelpack - oder auch: April, April, sagt unsere Wahrnehmung

Ich sehe was, was Du nicht nicht siehst ....
Wir sehen die Dinge nur, wie wir sind.

Viele Sprichwörter erinnern uns daran, dass uns unsere Wahrnehmung immer mal wieder einen Streich spielt. War das vorbeigefahrene Auto blau oder doch orange? Trug der Mann einen Hut oder waren das doch dunkle Haare? Wie alt könnte das Mädchen gewesen sein, dass gerade an mir vorbei lief?

Wir überarbeiten alles das, was wir über die Sinne erfassen, mit unseren gespeicherten Erfahrungen und unserer Motivation - wir verfügen über eine konstruierende Wahrnehmung!

Elizabeth Loftus zeigt in einem Vortrag an Beispielen aus Gerichtsprozessen und ihren Forschungen, dass nicht nur unsere Wahrnehmung sondern auch unser Erinnerung konstruierend ist. Sie ist keine Speicherplatte, aus der wir Erlebnisse unverändert abrufen können. Loftus Forschung zeigt deutlich, dass unserer Gehirn die Erinnerungen überarbeitet, ergänzt, verfälscht oder sich sogar an etwas erinnert, das nicht stattgefunden hat. Alles fließt  - würde Heraklit sagen.

und passend dazu Goethe:

Es soll sich regen, schaffend handeln
Erst sich gestalten, dann verwandeln
Nur scheinbar stehts Momente still
Das Ewige regt sich fort in allen
Denn alles muss in Nichts zerfallen
Wenn es im Sein beharren will.

In unserem letzten Post haben wir über Lügen geschrieben, und wenn wir Lotus Impuls verbinden mit dem Sprichwort "steter Tropfen höhlt den Stein", so besteht die Gefahr, dass auch Lügen irgendwann als Wahrheit in unsere Erinnerung eingehen. Albert Camus sagte dazu "Jeder Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten".

Unsere nicht ungetrübte Wahrnehmung greifen wir auch immer wieder im Zusammenhang mit Konflikten auf. Und hier tritt die zweite Elisabeth auf die Bühne: Elisabeth Ferrari zitierte u.a. Heinz von Förster und schreibt von Wahrgebung statt -nehmung: "So ist es" sollte der Präzision wegen ersetzt werden durch "so sehe/fühle/höre ... ich es".

Marc Aurel bemerkte: "Alles was wir hören ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit."

Konsequent weitergedacht ergeben sich dadurch Handlungsoptionen für jede(n) von uns:
  • Worauf genau richte ich meine Aufmerksamkeit/ meinen Fokus? Welchen Ausschnitt nutze ich zur Wahr-gebung? Damit hätte ich die Einladung "aktiver zuzuhören" oder bewusster zu probieren meine Sinne ohne sofortige Deutung/ Interpretation zu nutzen. Vielleicht erkenne ich auch, dass ich "im Tunnelblick" in der Gegenwart klebe - und die Möglichkeiten der Zukunft vergessen habe.
  • Und wie mag es wohl meinem Gegenüber gehen? D.h., ich hätte eine Einladung zum Perspektivenwechsel.
Das alles ist nich wirklich neu, gleichwohl anhand des einzigen Appells zur Wahrgebung statt -nehmung eine gute Erinnerung. Oder in den Worten von Marcel Proust: "Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern neue Augen zu haben".

Mit diesem Post wollen wir auch unsere Wertschätzung auszudrücken für all das Wissen von Elisabeth Ferrari, das sie gerne und mit viel Energie weitergeben hat. Sie ist leider viel zu früh Anfang diesen Jahres verstorben.

Wir wünschen Ihnen spannende Entdeckungen liebe Leser!

Freitag, 1. März 2019

Lügen werden nicht wahrer, wenn man sie wiederholt

Bei der Entstehung zu unserem Februar-Post fanden wir das Buch von Philippe Wampfler "Schwimmen lernen im digitalen Chaos". Das sprach uns aufgrund zweier (exemplarischer) Meldungen aus der jüngsten Vergangenheit an:

Angesichts der "Lügen rund um den Brexit" verschwinden selbst die "durchschnittlich 8 Lügen pro Tag, die Donald Trump verbreitet" im Nichts.

Sie sind da, die Unwahrheiten - wir werden sie nicht "aus der Welt schaffen können". Daten werden Tag für Tag mehr - eine "Informationsbereinigung" ist ein hehres Ziel und braucht pragmatische Alltagsansätze.
 
Wie können wir uns nicht anstecken lassen von Unwahrheiten, weiterhin an Wahrhaftigkeit glauben, sie leben und unterstützen, wo es uns möglich ist? Und auf der anderen Seite: wie können wir das Maß für einen "gesunden" Zweifel finden, also einen Zweifel, der uns nicht auffrisst und nicht den Blick für die schönen Momente vernebelt?
Wampfler empfiehlt die Metapher des Meeres zu nutzen: Darin kann man ertrinken, oder - sogar mit Spass - schwimmen. Indem man neugierige Frage stellt, Wissensnetzwerke gestaltet und Verantwortung für das Netz übernimmt. Wir müssen nicht alles glauben, können auch mal nur einzelne Aspekte genauer unter die Lupe nehmen.

Wampfler zitiert u.a. die Idee der "Slow News" von Peter Laufer (University of Oregon). Er spricht darüber beim International Journalism Festival in Perugia 2016, sein Betrag startet bei Minute 5:50. Wir selber hatten bereits vor 3 Jahren über die Idee geschrieben, Nachrichten einfach 3 Monate liegen zu lassen, damit sie sich in ihrer Richtigkeit und Bedeutung besser entfalten kann - in Vino veritas ;-)

Wie machen Sie es, liebe Leser, mit der Informationsbereinigung?