Herzlich Willkommen!

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Zukunft. Immer zum ersten Tag eines Monats hinterfragen wir hier Entwicklungen, Ideen, Visionen oder auch ganz pragmatische Ansätze zu einer lebenswerten Zukunft. Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!



Montag, 1. April 2019

Elisabeth im Doppelpack - oder auch: April, April, sagt unsere Wahrnehmung

Ich sehe was, was Du nicht nicht siehst ....
Wir sehen die Dinge nur, wie wir sind.

Viele Sprichwörter erinnern uns daran, dass uns unsere Wahrnehmung immer mal wieder einen Streich spielt. War das vorbeigefahrene Auto blau oder doch orange? Trug der Mann einen Hut oder waren das doch dunkle Haare? Wie alt könnte das Mädchen gewesen sein, dass gerade an mir vorbei lief?

Wir überarbeiten alles das, was wir über die Sinne erfassen, mit unseren gespeicherten Erfahrungen und unserer Motivation - wir verfügen über eine konstruierende Wahrnehmung!

Elizabeth Loftus zeigt in einem Vortrag an Beispielen aus Gerichtsprozessen und ihren Forschungen, dass nicht nur unsere Wahrnehmung sondern auch unser Erinnerung konstruierend ist. Sie ist keine Speicherplatte, aus der wir Erlebnisse unverändert abrufen können. Loftus Forschung zeigt deutlich, dass unserer Gehirn die Erinnerungen überarbeitet, ergänzt, verfälscht oder sich sogar an etwas erinnert, das nicht stattgefunden hat. Alles fließt  - würde Heraklit sagen.

und passend dazu Goethe:

Es soll sich regen, schaffend handeln
Erst sich gestalten, dann verwandeln
Nur scheinbar stehts Momente still
Das Ewige regt sich fort in allen
Denn alles muss in Nichts zerfallen
Wenn es im Sein beharren will.

In unserem letzten Post haben wir über Lügen geschrieben, und wenn wir Lotus Impuls verbinden mit dem Sprichwort "steter Tropfen höhlt den Stein", so besteht die Gefahr, dass auch Lügen irgendwann als Wahrheit in unsere Erinnerung eingehen. Albert Camus sagte dazu "Jeder Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten".

Unsere nicht ungetrübte Wahrnehmung greifen wir auch immer wieder im Zusammenhang mit Konflikten auf. Und hier tritt die zweite Elisabeth auf die Bühne: Elisabeth Ferrari zitierte u.a. Heinz von Förster und schreibt von Wahrgebung statt -nehmung: "So ist es" sollte der Präzision wegen ersetzt werden durch "so sehe/fühle/höre ... ich es".

Marc Aurel bemerkte: "Alles was wir hören ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit."

Konsequent weitergedacht ergeben sich dadurch Handlungsoptionen für jede(n) von uns:
  • Worauf genau richte ich meine Aufmerksamkeit/ meinen Fokus? Welchen Ausschnitt nutze ich zur Wahr-gebung? Damit hätte ich die Einladung "aktiver zuzuhören" oder bewusster zu probieren meine Sinne ohne sofortige Deutung/ Interpretation zu nutzen. Vielleicht erkenne ich auch, dass ich "im Tunnelblick" in der Gegenwart klebe - und die Möglichkeiten der Zukunft vergessen habe.
  • Und wie mag es wohl meinem Gegenüber gehen? D.h., ich hätte eine Einladung zum Perspektivenwechsel.
Das alles ist nich wirklich neu, gleichwohl anhand des einzigen Appells zur Wahrgebung statt -nehmung eine gute Erinnerung. Oder in den Worten von Marcel Proust: "Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern neue Augen zu haben".

Mit diesem Post wollen wir auch unsere Wertschätzung auszudrücken für all das Wissen von Elisabeth Ferrari, das sie gerne und mit viel Energie weitergeben hat. Sie ist leider viel zu früh Anfang diesen Jahres verstorben.

Wir wünschen Ihnen spannende Entdeckungen liebe Leser!

Freitag, 1. März 2019

Lügen werden nicht wahrer, wenn man sie wiederholt

Bei der Entstehung zu unserem Februar-Post fanden wir das Buch von Philippe Wampfler "Schwimmen lernen im digitalen Chaos". Das sprach uns aufgrund zweier (exemplarischer) Meldungen aus der jüngsten Vergangenheit an:

Angesichts der "Lügen rund um den Brexit" verschwinden selbst die "durchschnittlich 8 Lügen pro Tag, die Donald Trump verbreitet" im Nichts.

Sie sind da, die Unwahrheiten - wir werden sie nicht "aus der Welt schaffen können". Daten werden Tag für Tag mehr - eine "Informationsbereinigung" ist ein hehres Ziel und braucht pragmatische Alltagsansätze.
 
Wie können wir uns nicht anstecken lassen von Unwahrheiten, weiterhin an Wahrhaftigkeit glauben, sie leben und unterstützen, wo es uns möglich ist? Und auf der anderen Seite: wie können wir das Maß für einen "gesunden" Zweifel finden, also einen Zweifel, der uns nicht auffrisst und nicht den Blick für die schönen Momente vernebelt?
Wampfler empfiehlt die Metapher des Meeres zu nutzen: Darin kann man ertrinken, oder - sogar mit Spass - schwimmen. Indem man neugierige Frage stellt, Wissensnetzwerke gestaltet und Verantwortung für das Netz übernimmt. Wir müssen nicht alles glauben, können auch mal nur einzelne Aspekte genauer unter die Lupe nehmen.

Wampfler zitiert u.a. die Idee der "Slow News" von Peter Laufer (University of Oregon). Er spricht darüber beim International Journalism Festival in Perugia 2016, sein Betrag startet bei Minute 5:50. Wir selber hatten bereits vor 3 Jahren über die Idee geschrieben, Nachrichten einfach 3 Monate liegen zu lassen, damit sie sich in ihrer Richtigkeit und Bedeutung besser entfalten kann - in Vino veritas ;-)

Wie machen Sie es, liebe Leser, mit der Informationsbereinigung?

Donnerstag, 31. Januar 2019

Werden wir vom Glück gefunden?

2003: Eine Frage-Installation "Findet mich das Glück" kann auf der Biennale Venedig besucht werden. Coole Fragen, und auch wir meinen: Fragen sind manchmal wichtiger als Antworten. Einen Eindruck dazu kann man im Blog "How do you Kunst" gewinnen.

2007: Mit dem gleichen Titel veröffentlichten Peter Fischli und David Weiss Ihr Buch, das dem Fragen gewidmet ist. Zu dem Buch können Sie eine Rezension der FAZ lesen.

2010: Philippe Wampfler schreibt in seinem Blog "FragenFragen. Fragen über Fragen. Überfragen. Überfragt." über den unendlichen Ozean der Fragen, zu dessen Erkundung und Erforschung Fischli und Weiss immer wieder inspirier(t)en.

2018: Am 1. Dezember findet die Premiere eines Theaterstückes im NationalTheaterMannheim statt. Auf den Seiten des NTM findet man ein Video zum Stück, falls Sie liebe Leser, lieber gucken und hören statt lesen wollen.

Welches ist Ihre favorisierte Frage?

  • Kann das nicht jemand anderes für mich tun? 
  • Soll ich dieses Stück Schokoladen noch essen? 
  • Warum muss ich immer kämpfen? 
  • ......

Oder ist Ihre vielleicht noch gar nicht dabei? Dann schreiben Sie sie uns doch im Kommentar-Feld.

Dienstag, 1. Januar 2019

Neustart

Einen Re-Start benötigen so manche kaputte Kaffeemaschinen, Handys oder Fahrräder. Da ist ist es mit "mal neustarten" wie bei windows oft nicht getan. Stattdessen muss der Schraubenschlüssel an der richtigen Stelle angesetzt werden. Machen Sie das selbst? Eine Kaffeemaschine aufschrauben und nach dem Fehler suchen? Weil Sie die Maschine ressourcen-schonend einfach nicht wegwerfen wollen?

Sie selbst vielleicht nicht, aber seit einigen Jahren sorgen -  oft ehrenamtliche - Tüftler dafür, dass Ihre alten Schätzchen eine neue Chance haben. In den Niederlanden entstand die Idee der reapair-cafés, inzwischen sind es weltweit 1669, viele davon in Deutschland.

Oder: 2009 gründete Nico die Fahrradgarage in Mannheim. Das Besondere: Damit alte Räder wieder fahrtüchtig werden, erhalten Sie dort Hilfe zum Selberschrauben. Soziale Projekte und interessante Events sollen den Menschen wieder in den Sattel helfen.

Und da gibt es noch ein nachhaltiges Projekt aus England: restart in Schulen. Das zehnwöchige Programm ist eine Kooperation von The Restart Projekt und Lehrern mit dem Ziel, die Beziehung der Schüler zu ihren elektonischen Geräte zu verändern. Umweltthemen, Sicherheit und Troubelshooting stehen auf dem Programm genauso wie, Handys oder Computermäuse selber zu reparieren.

Wer selber repariert, lernt das Gerät kennen und meist auch wieder schätzen - und damit verändert sich oft die Einstellung: die Achtung vor den Ideen anderer steigt. Und man lernt eine gezielte Fehlersuche. Sehr nützlich auch für andere Situationen!

So oder so - es gibt ja gerade noch einen Neustart: Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die neue Woche - und/oder in das neue Jahr!








Samstag, 1. Dezember 2018

Von der Steinzeit bis zu You Tube


"Du kannst den absoluten Nullpunkt niemals erreichen. Und das macht Mut." So motiviert genoss eine von uns im letzten Monat Vince Ebert live; die hat ihn  früher schon gehört. Er trug vor, wie der Mensch seit der Steinzeit versucht, die Zukunft vorherzusagen - und dabei scheitert.

Auch auf YouTube kann man der "Comedy und Satire im Ersten" und Vince Eberts Gedanken über die Zukunft folgen (45 Min.) - "Zukunft läuft immer anders ab, als man denkt." Wir wünschen Ihnen an einem der langen Winterabende viel Spass dabei.



Donnerstag, 1. November 2018

Anti-Stress-Turbo

Susanne: Magst Du eigentlich gerne Cashewnüsse?

Susanne: Na ja, schon irgendwie. Ich esse sehr wenige Nüsse, so insgesamt. Warum fragst Du?

Susanne: Chashews enthalten pro 100 g ca 287 mg Tryptophan, das ist mehr als in Walnüssen, darin sind ca 170 mg Tryptophan enthalten. Ok, Du könntest auch 100 g Sojabohnen essen und dabei 590 mg Tryptophan aufnehmen.

Susanne: Aahhaa! Das hat aber nichts mit einem Tryptichon zu tun, oder!?

Susanne: Nein, sondern mit einem wichtigen Nahrungsbaustein, den unser Körper nicht selber herstellen kann. Den er aber braucht, um zum Beispiel den Neurotransmitter Serotonin herzuzellen. Und Serotonin benötigen wir, um Melanin zu produzieren. Außerdem kann Tryptophan den Cortisolspiegel senken.

Susanne: Das klingt ja alles sehr wichtig und medizinisch. Wieso sollten wir das wissen?

Susanne: Nu, interessant sind diese Prozesse vor allem, wenn wir verstehen wollen, welche biochemischen Reaktionen unser Körper auf Stress zeigt. Unser Körper reagiert auf Stress, indem er eine komplexe, schwer zu bremsende Kettenreaktion in Gang setzt. U.a. wird das Cortisol bis zu 10-fach mehr ausgeschüttet und verbraucht auch das Tryptophan - Tyrosin übringens auch. Mit Chashews zum Beispiel können wir den Teryptophan-Haushalt schnell wieder auffüllen und damit einen Serotonin- und Melaninmangel verhindern.

Susanne: Ein Melaninmangel wirkt sich doch auf unsern Wach-Schlaf-Rhythmus aus. Damit können wir schlechten Schlaf verhinden. Das wäre in stressigen weil aufgedrehten Phasen wirklich hilfreich.

Susanne: Und das Serotonin bewirkt im Zentralnervensystem, dass unsere Stimmungslage gelassen bleiben kann, und es dämpft Angstgefühle. In stressigen Situation auch nicht schlecht. Also - Chashews sind ein Anti-Stress-Mittel. Sie helfen nicht sofort. Wenn wir aber die geleerten Vorräte wieder auffüllen, können wir den Langzeitwirkungen von Stress entgegenwirken.

Susanne: Es gibt ja viele Möglichkeiten, mit Stress umzugehen. Aber mir war nicht klar, das die biochemischen Aspekte einen solchen Umfang haben. 

Susanne: Darüber wird kaum gesprochen. Wir üben uns vor allem darin, unser Denken einzusetzen - was selbstverständlich sinnvoll ist. Zum Umgang mit Stress gehört auch immer der Realitäts.Check: wir sollten uns fragen, ob unsere Reaktion wirklich angemessen ist, oder ob wir mehr in eine stressauslösende Situation hineininterpretieren, als wirklich als Gefahr da ist.

Susanne: Und wir können durch Entspannungs- und Atemübungen einiges für unsere Gelassenheit tun. Wenn ich eine Tasse (grünen) Tee trinke, komme ich zu den Aktivitäten, die helfen, Stress abzubauen: lachen wäre mir da vor allem wichtig zu nennen: zum Lachyoga haben wir ja schonmal geschrieben. So kann man die Kettenreaktion schon frühzeitig bremsen. Die Nahrungsbausteine ergänzen das Programm sinnvoll.

Susanne: So sehe ich das. Und in dem Verstehen der biochemischen Prozesse sehe ich vor allem eine Chance! Die Chance, Körper und Geist immer wieder mehr als Einheit zu verstehen. Das Denken hat Wirkung auf den Stoffwechsel - und umgekehrt. 

Susanne: Bei dem frühzeitgen Bremsen kommt mir sofort der Gedanke "Prävention ist besser als Intervention": Je fitter ich bin/ je mehr Energie ich spüre, umso mehr Lust habe ich, etwas zu gestalten und mich aktiv einzubringen. Je früher ich aus einem sich ungut entwickelnden Prozess aussteigen kann, desto leichter ist es. Das gilt ja z.B. auch für Konflikte, die in ihren ersten Eskalations-Stufen noch gut auflösbar sind (wir verwiesen schonmal zu den Entwicklungsstufen eines Konfliktes nach Glasl).

Susanne: Gute Idee! Dieses Muster findet sich an vielen Stellen.

Susanne: Unser Gespräch hat mich gleich mal im Netz stöbern lassen, denn die Bedeutung meines Stoffwechsels für den Umgang mit Stress hatte ich bisher nicht auf dem Schirm. Da habe ich gerade gefunden, dass Quinoa besonders viel Tryptophan enthält. Seit ich in den USA gelebt habe, gibt es das immer mal wieder als Salat - und ich beruhige meine Nerven damit, wie ich jetzt lerne. Auf die Wichtigkeit von Vitamin D bin ich im letzten Winter schon aufmerksam geworden - und über den B-Komplex denke ich jetzt nochmal nach.

Susanne: Wahrscheinlich sollten wir da nicht allzu analytisch rangehen sondern einfach mit Freude gutes Essen genießen - hat auch etwas entschleunigendes.




Montag, 1. Oktober 2018

grüßen Sie Ihre Seele

Immer schon haben Menschen sich Geschichten erzählt; in jeder Kultur wollen Geschichten nicht nur unterhalten sondern auch eine Erfahrung oder Erkenntnis vermitteln oder besonderes Wissen transportieren. 

Die eine und die andere Susanne arbeitet in ihren Veranstaltungen und für sich selbst gerne mit Geschichten, Bildern und Imaginationen. Bereits Anfang diesen Jahres hatten wir über die Imagination als die Sonne in der Seele geschrieben.

Mit Stefan Hammel hat eine von uns einen Trainer für ihr "Bilder-Ohr" gefunden. Ja - Sie lesen richtig: Bilder sind nicht nur zu sehen, sondern in Form von Metaphern auch zu hören. Und mit ein bisschen Übung darin, kann man sein Gegenüber (noch) besser verstehen - und mit ihm aus der Matapher heraus Ideen entwickeln, wie es weiter gehen könnte.

"Das Projekt hat Schiffbruch erlitten"? Strampelt die gesamte Mannschaft gerade noch um ihr Überleben? Gab es (kleine) Rettungsboote, die man zu Wasser lassen konnte? Ist schon eine erste rettende Insel erreicht?

"Alles Müll hier!" Hm - haben Sie Lust, sich mit mir Gedanken zum Recycling zu machen?

"Da wurden uns Steine in den Weg gelegt" nu, wie groß sind die Steine? Aus welchem Material sind sie? Und welchen Namen haben sie? Kann man drumherum gehen? Oder brauchen wir einen Bagger?

"Wir sind mit unserem Latein am Ende." Welche andere Sprache könnten wir sprechen?

"Wir sind in einer Sackgasse gelandet." Der Weg hinein ist oft auch der Weg hinaus - drehen Sie sich mal um, was sehen dann?

Vielleicht haben Sie am 1. Oktoberwochenende noch nichts vor? In Otterberg in der Pfalz findet das 2. Internationale Festival des (therapeutischen) Erzählens statt. Stefan Hammel lädt zusammen mit dem Milton Erikson Institut Luxemburg dazu ein. Man kann seine eigene Geschichte "neu" erzählen oder lernen, wie man spontan Geschichten entwickelt oder reflektieren, welche Geschichten welche Wirkung erzielen oder, oder ....

Der Gruß an die Seele ist übrigens oft die Verabschiedung von Stefan Hammel für seinen Coachee: Die in der Begegnung in Form von Geschichten gemeinsam erarbeiteten Lösungsideen können so nachhaltiger wirken.